Die Zeitung ist kein Stadionheft
Geschrieben von: Joachim Klaehn   
Montag, den 28. Januar 2013 um 08:35 Uhr

Muller-031212-01RNZ-Sportchef Joachim Klaehn kommentiert

 

Wenn richtig Druck im Kessel ist, muss auch mal Dampf raus. Jeder, der so etwas wie einen gesunden Menschenverstand besitzt, versteht das: Psychohygiene dient der eigenen Gesundheit. Warum sollte dies bei Trainern, Managern, Vereinsbossen der großen Unterhaltungsbranche Profifußball anders sein?

Hoffenheims Manager Andreas Müller hielt am Donnerstag vor dem Eintracht-Spiel eine Wutrede, die sich einreihte in noch legendärere Ausbrüche eines Giovanni Trapattoni („Flasche leer“, „Was erlaube Struuuunz“), Uli Hoeneß (an die eigenen Fans gerichtet: „Für die Scheißstimmung seid ihr doch zuständig und nicht wir. Was glaubt ihr eigentlich, was wir das ganze Jahr machen, um euch für sieben Euro ins Stadion zu lassen. Euch finanzieren doch die Leute in der Loge“), Rudi Völler („tieferer Tiefpunkt“, „kann den Käse nicht mehr hören“), Franz Beckenbauer („Altherrenfußball“) oder eines Bruno Labbadia („Am A ... geleckt! Das Fass ist absolut voll“).

„Mich kotzt das an, nicht mit mir. Ich bin seit vier Monaten hier und ich habe alles gesehen, schon alles wie es hier läuft, alles“, sagte Müller. Der „Fall Compper“ und die kritische RNZ-Berichterstattung darüber brachte den Schwaben auf die Palme. So weit so gut – oder so schlecht, je nach subjektiver Wahrnehmung und Sichtweise. Medienschelte ist ähnlich populistisch wie Stammtischgerede. Und ein Feindbild kann bekanntlich den Corpsgeist stärken, auch deshalb schützt Müller seine „Familie in Hoffenheim“. Okay.

In allen Berufsbereichen ist es eine hohe Kunst, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Tatsache ist: Bei „Hoffe“ läuft es seit Wochen und Monaten sportlich nicht rund – schlimmstenfalls droht der Abstieg, was die einen als Untergangsszenario, die anderen als Chance zu einem Selbstreinigungsprozess sehen.

Wir wünschen im Klassenkampf gutes Gelingen. Tore erzielen und Gegentore verhindern müssen indes die Hoffenheimer schon selbst. Medien reagieren auf Entwicklungen, informieren, klären auf, hinterfragen. Das gehört zu ihrem ureigenen Aufgabenprofil, „mit Distanz zum Gegenstand der Betrachtung“, wie es „Mister Tagesthemen“ Hanns Joachim Friedrichs treffend formulierte.

Ein Journalist muss glaubwürdig sein. Damit stehen wir beim Leser in der Pflicht. In der überhöhten, zuweilen entrückten Parallelwelt Profifußball scheint dies kaum verstanden zu werden. Die Tageszeitung ist kein Stadionheft.

Andreas Müller hat am Samstagabend in der ARD-Sportschau und im Aktuellen Sportstudio des ZDF nochmals die Stimme gegen diese Zeitung erhoben. Müller warf der Rhein-Neckar-Zeitung ausdrücklich falsche Darstellung und mangelnde Fairness vor. Dagegen wehren wir uns entschieden.

Bundesliga und deren mediale Begleitung gleicht zuweilen der Quadratur des Kreises, wenn sportliche Unzulänglichkeiten eines Profiteams und Medienarbeit aufeinander treffen.

Bei der TSG Hoffenheim und deren Umfeld ist man seit längerem der Meinung, mitbestimmen zu können, wie Journalisten Themen zu behandeln haben. Drucksachen sind unser Geschäft, Druckausübung anderer wird an unserer unabhängigen Haltung nichts ändern.

Als eine regional verankerte Zeitung wollen wir, dass ein regional verankerter Klub erstklassig bleibt. Das heißt aber nicht, dass wir auf Kritik verzichten können. Sie bietet auch – im Spannungsfeld zwischen Nähe und Distanz – eine Chance, Entscheidungen zu überdenken.


 

 

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