Starke: "Nicht der Trainer hat entschieden"
Geschrieben von: Achim Wittich   
Samstag, den 06. Oktober 2012 um 12:57 Uhr

Starke-280412-1Tom Starke über das Wiedersehen mit 1899 Hoffenheim

 

Wenn 1899 Hoffenheim am Samstag Nachmittag um 15.30 Uhr beim FC Bayern München erneut versucht, den schweren Autounfall von Teamkollege Boris Vukcevic zu verdrängen, sitzt beim Gegner ein guter alter Bekannter auf der Ersatzbank. Tom Starke (31) musste nach der letzten Saison beim Kraichgau-Klub trotz eines laufenden Arbeitsvertrages bis 2013 den Platz zwischen den Pfosten räumen und heuerte als Ersatz für Nationaltorwart Manuel Neuer beim deutschen Rekordmeister an. Es war ein bitterer Abgang für Starke, der bei den Fans wegen seiner offenen und ehrlichen Art besonders gut ankam. "So wie es gelaufen ist, war es unschön", sagt Starke im RNZ-Interview, drückt aber der TSG trotzdem weiter "fest die Daumen".

Hallo Tom Starke. Vom Dorf in die Weltstadt. Haben Sie sich schon in München eingelebt?

 

Ja, sehr gut sogar. In München fehlt einem nichts. Wir wohnen draußen in Grünwald, das ist wirklich super. Und zum Training an die Säbener Straße fährt man keine Viertelstunde.

 

1899 Hoffenheim und der ruhmreiche FC Bayern: Sind das zwei Welten?

 

Hier sind bis zu 2.000 Fans beim Training und das mediale Interesse ist natürlich viel größer. Aber ich werde ja weitgehend in Ruhe gelassen (lacht). Natürlich kann sich Hoffenheim allein von der Historie nicht mit dem FC Bayern messen. Aber die Verhältnisse, die dort geschaffen wurden, sind top und genauso erstklassig wie in München.

 

Ihre Leistungen bei 1899 waren ebenfalls meist erstklassig. Dennoch wurden Sie vom Hof gejagt ...

 

Ich habe mich mit meiner Familie dort sehr wohlgefühlt und wollte bleiben. So, wie es dann gelaufen ist, war es unschön und ich schaue nicht glücklich auf die letzten Tage zurück. Aber ich bin ja weich gefallen...

 

Das klingt nach viel Groll ...

Es war letztlich die Entscheidung von zwei Personen, nicht vom Trainer. Ich kann deswegen nicht den ganzen Verein über einen Kamm scheren. Ich habe dem Klub und seinen Fans viel zu verdanken und drücke den vielen guten Seelen dort fest die Daumen.

 

Ganz fest Daumen-Drücken heißt es in diesen Tagen für ihren ehemaligen Mitspieler Boris Vukcevic.

 

Boris ist ein Top-Junge. Ich möchte ihm alle Kraft schenken und wünsche ihm alles, alles Gute und dass er wieder zurück ins Leben findet. Wir hatten immer ein sehr gutes Verhältnis.

 

Wird bei Ihrem neuen Arbeitgeber viel über seinen Unfall gesprochen?

 

Das ist selbstverständlich auch hier ein Thema. Schließlich sind wir Kollegen und es betrifft uns alle. Das ist schon hart.

 

Wie könnte diese besondere Situation das heutige Spiel beeinflussen?

Ob der Unfall einen positiven oder negativen Einfluss auf die Hoffenheimer Leistung haben wird, kann man sicher nur nachher beantworten. Vielleicht wird eine 'Jetzt-erst-recht-Situation' heraufbeschworen und alle ziehen an einem Strang, was bisher wohl nicht immer so der Fall war. Vielleicht wächst das Team durch dieses schlimme Erlebnis, das auch für mich ein Schock war, zusammen.

 

Die Bayern stolperten am Dienstag in der Champions League ...

Wir haben gesehen, dass halt doch nicht alles von alleine geht. Es war ein Ausrutscher, sicher kein Beinbruch.

 

Nächste Woche ist Ihr "Vorgesetzter" Manuel Neuer mit der Nationalmannschaft unterwegs. Bekommt er von Trainer Heynckes eine Pause und Sie dürfen gegen die alten Mitstreiter ran?

 

Dafür gibt es keine Anzeichen. Wenn er mich aber in die Rotation mit einbeziehen möchte, würde ich nicht nein sagen.

 

Ihr Nachfolger Tim Wiese fehlt heute verletzt und machte bisher keine glückliche Figur ...

 

Was das betrifft, bin ich völlig entspannt. Wenn man so einen Spieler verpflichtet, weiß man schließlich, wen man holt. Auch vom Charaktertyp her.

 

Wiese und 1899 haben angekündigt, unter die Top sechs zu wollen.

 

Man kann nicht die Trompete rausholen, solche Ziele ausgeben und sich dann darüber wundern, dass man so im Mittelpunkt steht, wenn es nicht läuft. Ich finde, dass man mehr auf die Leute zugehen sollte und sich auf sie einlassen sollte. Oder man hält sich zurück.

 

Herr Starke, wie geht's denn heute aus?

 

Ich wäre froh über einen knappen Sieg für uns - und dann über viele anschließende Siege der TSG.

 

Kommentare 

 
0 #9 Wolfa 2012-10-07 21:45
Zu #5 thomas
Nun Thomas, ich weis nicht wo dieses Gesetz geschrieben steht. Es gibt in allen Lebensbereichen Situationen, in der offene Kritik gefordert ist. Unsere Gesellschaft hat sich nicht die Demokratie teuer erkauft, um sich vor den vermeintlich „Mächtigen und Reichen“ weg zu ducken. Die welche jetzt da auf dem Platz stehen sind keine „Persönlichkeit en“. Haben keinen Arsch in der Hose. Verstecken sich hinter dem tragischen Unfall von Boris. Tom Starke für Wiese zu opfern, war einer der vielen Fehler die unser Mäzen immer häufiger macht. Ich achte und schätze das Lebenswerk von Dietmar Hopp.
Immer mehr kommen mir aber Zweifel ob er noch die richtigen Berater an seiner Seite hat. Dies gilt nicht nur für den Fußball.
 
 
+3 #8 sigi 2012-10-07 11:07
@Thomas,
das darfst Du nicht Schreiben. Damit machst Du Dich unbeliebt bei der Starke Fraktion. Du hast nämlich RECHT!
 
 
-5 #7 Hyperion 2012-10-07 10:05
Für mich hatte der Abgang Starkes vor allem sportliche Gründe - er war immer nur ein mediokrer Torhüter. Und Kritik an 1899 steht ihm nicht zu, das Interview ist die reinste Anbiederung!
 
 
+5 #6 Hoffe Fan 2012-10-06 23:49
Danke an Tom für die Klarstellung!

Markus Babbel hatte ja schon geäußert, er habe keine Probleme mit Tom Starke. Dieses mutete schon etwas komisch an, wenn man von der nach außen kommunizierten Version ausgeht, nach der Babbel für die Verpflichtung Wieses (und damit in den Köpfen gleichzeitig für den unglücklichen Weggang von Tom Starke!) verantwortlich sei.

Als geradliniger Mensch, der dazu neigt, ehrlich zu sagen, was er denkt - womit in Hoffenheim wohl mehr als anderswo Probleme vorprogrammiert sind - wollte er aber sicher jetzt die Schuldfrage mal klären...vielleicht hatte ihm auch das Interview mit Ernst Tanner - der von "Beratern, die einem Knüppel zwischen die Beine werfen" sprach - neulich ja auch Mut gemacht?
 
 
-13 #5 Thomas 2012-10-06 17:05
Unser so beliebter Ex-Torhüter hat in Hoffenheim ein ungeschriebenes Gesetz nicht beachtet: Kritik an Trainer oder Mitspielern steht KEINEM Spieler zu - natürlich machte er sich damit bei einigen Fans beliebt, aber das geht gar nicht - überlegt mal selbst, wie es denn wäre wenn ein Kollege Euch, den Chef oder Geschäftsführer in der Firma öffentlich kritisieren, einfach mal darüber nachdenken!
 
 
+24 #4 Karen 2012-10-06 16:15
Lieber Tom, das ist der Grund, warum wir Dich so ins Herz geschlossen haben! Dir alles Gute weiterhin und vielen Dank für Deinen tollen Einsatz die Jahre für uns.
Karen
 
 
+23 #3 Oliver 2012-10-06 15:16
Ganz klar Herr Wittmann und Hopp von Starke indirekt angesprochen. Wundert mich nicht!
 
 
+9 #2 Dennis 2012-10-06 14:50
Der letzte satz:
"Ich wäre froh über einen knappen Sieg für uns - und dann über viele anschließende Siege der TSG."

-->Tom "befürchtet" ein 5 , 6 : 0 !!!

Trotzde danke für alles (Y)
 
 
+20 #1 Gerd 2012-10-06 14:39
In dem Interview merkt man, dass Tom ein intelligenter Bursche ist, der Bestimmt und differenziert antwortet und einschätzt. Bayern hat einen guten Fang gemacht!
 

Kommentar schreiben


Meldungen des Tages

Tom Starke, sind die Giftspinnen eingepackt?

Der ehemalige Hoffenheimer Publikumsliebling sagt, weshalb seine Bayern…

Ein bisschen schlampig

Mit Markus Gisdol sprintet Hoffenheim wohl zum Klassenverbleib, aber der…

Vertrag mit Grifo verlängert

1899 Hoffenheim verlängert mit Vincenzo Grifo

Polanksi: "Wir feiern jetzt nicht den Klassenerhalt!"

1899 Hoffenheims Mittelfeldspieler will die Konzentration hoch halten

Fans: "Gut gemacht, Jungs!"

Hier haben die Fans von 1899 Hoffenheim das Wort

Genesungswünsche der Fans an Boris Vukcevic

FansVukcevic-290912-01

Anzeigen

Anzeige

Impressum

Jonas Keinert, Blumenstr. 46, 69115 Heidelberg
E-Mail steilpass@1899aktuell.de
V.i.S.d.P.: Jonas Keinert
Redaktion: Jonas Keinert, Daniel Ernst
Texte: Jonas Keinert, Rebekka Wilke, Wolfgang Brück, Roland Karle, Achim Wittich, Joachim Klaehn, Daniel Ernst
Fotos: APF, Archiv Sportwoche/Ricci, Jonas Keinert, Daniel Falkner, Sascha Meiser

Erklärung / Disclaimer

Für alle Banner und Links, die auf der Homepage www.1899aktuell.de angezeigt werden, gilt:
Die Redaktion erklärt ausdrücklich, keinerlei Einfluss auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten zu haben. Deshalb distanziert sich die Redaktion hiermit ausdrücklich von allen Inhalten, aller gelinkten Seiten und macht sich diese Inhalte nicht zu Eigen. Diese Erklärung gilt für alle angezeigten Links und für alle Inhalte der Seiten, zu denen die bei www.1899aktuell.de angezeigten Banner und Links führen.