Helfer in der Not
Geschrieben von: Achim Wittich   
Freitag, den 21. September 2012 um 08:24 Uhr

BallundBeine-02Laut Hoffenheims Neu-Manager Andreas Müller, dem Mann an Markus Babbels Seite, ist der „rote Faden“ verloren gegangen

 

Die Vorstellung des neuen Hoffenheim-Managers Andreas Müller (49) verlief professionell, doch man wird das Gefühl nicht los, dass das Stühlerücken beim Bundesliga-Schlusslicht weiter gehen könnte, sollte sich an der sportlichen Misere nichts ändern. „Es ist eine sehr große Herausforderung bei 1899“, sagte Müller und räumte ein, „in Hoffenheim ist durch die vielen Wechsel der rote Faden verloren gegangen.“ Eine treffende Analyse, die sowohl auf den Lizenzspielerbereich als auf die Funktionsträger zutrifft. Kontinuität vermisst man beim Kraichgauklub schmerzlich.

Müller, der Mann mit den strahlend blauen Augen, kommt sympathisch rüber. Der Ex-Profi, 1997 mit den Königsblauen Uefa-Cup-Sieger, kennt das Metier aus dem Effeff. Und die Zeit von Mai 2006 bis zum 9. März 2009 als Manager und Nachfolger der Ikone Rudi Assauer war für den Schwaben mit Sicherheit ein Stahlbad. Der Revierverein spielte Champions League, verbuchte Rekordumsätze, und die emotionalen Fans fordern die S04-Verantwortlichen stets. „Ich betrachte meine Aufgabe in der Kommunikation“, legte Müller seine Sichtweise dar, „wir brauchen eine Philosophie, Strategie und ein einheitliches Denken, damit wir hier ein ganz verschworener Haufen werden.“ Vom Kerngedanken ist dies zweifellos richtig, doch ob sich das in Bälde mit den spezifischen Strukturen in Hoffenheim umsetzen lässt? Müller ist nämlich nach Ernst Tanner und Markus Babbel, der das Amt in Doppelfunktion ausübte, bereits der dritte Manager in einem halben Jahr.

Und es ist durchaus bemerkenswert und kurios, wie „Nur-noch-Trainer“ Babbel mit dem neuerlichen Kurswechsel nach drei Spieltagen leger umging. Hatte er nicht lange Zeit selbst kolportiert, dass ihm die Doppelbelastung nichts ausmache? Babbel auf Mediennachfrage: „Ich muss zugeben, dass ich Ihnen etwas anderes erzählt habe als intern – das kommt aber öfter vor.“ Nach dem Saisonauftakt in Mönchengladbach (1:2) sei ihm klar geworden, dass das Sportliche darunter leide. „Ich bin einfach lieber Trainer und sehr froh, dass der Andy jetzt schon da ist, um das sportlich wieder in die richtige Richtung zu lenken“, sagte Babbel über seine Beweggründe, die 1899-Chefs zu informieren. Und gen Müller gewandt: „Ich brauche Dich an meiner Seite.“

Der Helfer in der Not lächelte kurz. Denn sowohl Babbel als auch Müller wissen dank ihrer langjährigen Erfahrungen, dass es ganz schnell gehen kann in diesem aufgeregten Fußballgeschäft, wenn die Resultate ausbleiben. Am Sonntag (17.30 Uhr) im Heimspiel gegen Hannover 96 muss etwas Zählbares her. Babbel über das Erfolgsgeheimnis des Kontrahenten: „Sie bestechen durch ihre mannschaftliche Geschlossenheit und sind unglaublich homogen. Und man hört kaum etwas von diesem Verein.“ Das ist im Kraichgau anders, der junge Klub ist stets für Überraschungen gut. Bereits im März/April, so gestand Müller ein, wurde er vom Unternehmer Jürgen B. Harder kontaktiert. „Das ist ein privates Netzwerk“, konstatierte Geschäftsführer Alexander Waldi. Harder wiederum ist ein guter Freund von 1899-Mäzen Dietmar Hopp. Nach dem Debakel zu Hause gegen Frankfurt (0:4) sei alles ganz schnell gegangen, erzählte Müller. Beim Manager-Casting habe es einige qualifizierte Kan-didaten gegeben, doch Müller habe sich letztlich dank „seiner Erfahrung auf Schalke, seines Netzwerks und in aller- erster Linie seiner Persönlichkeit“ durchgesetzt, benannte Waldi die wesentlichen Gründe, die allerdings Raum für Spekulationen ließen.

Müller wurde gestern auch zu seiner Schalker Vergangenheit und Verbindung zu Spielerberater Roger Wittmann befragt. Alle Beteiligten bestritten energisch, dass Wittmann eine Rolle bei der Verpflichtung Müllers gespielt habe. Müller: „Seit ich meine Papiere von Schalke bekommen habe, gab es keinen Kontakt mehr.“ In diesen Tagen rief Wittmann Müller an – und gratulierte ihm.

 

Kommentare 

 
+1 #3 Bassmann 2012-09-21 17:04
„Ich muss zugeben, dass ich Ihnen etwas anderes erzählt habe als intern – das kommt aber öfter vor.“

HALLO?!?!? Haben wir nur noch Amateure im Verein?
1) Lügen ist generell keine gute Idee, da es das gegenseitige Vertrauen zerstört.
2) In der Öffentlichkeit lügen ist besonders doof - weil man dann auch öffentlich an den Pranger gestellt wird.
3) Unter der Prämisse, dass Lügen ausnamsweise sein muss, weil man sonst größeren Schaden anrichten würde, wenn man die Wahrheit sagt - dann lügt man geschickt. Und sagt nicht hinterher: ich hab gelogen.

So langsam kommts mir vor wie beim Ende mit Stanislawski - die Babbel-Interviews klingen schon fast nach "ich will hier raus, bitte feuert mich."

Ich kann's einfach nicht fassen.
 
 
+1 #2 Mic 2012-09-21 16:28
passt hier nicht wirklich hin, aber ich habe eben die vorraussichtlic hen aufstellungen im kicker gesehen.... warum ist Sali auf der Bank? er wäre ein Helfer in der Not!!!
 
 
+1 #1 Ernie 2012-09-21 15:34
Der Mann fürs Neue! Vielleicht auch fürs Grobe denn wenn am Sonntag das Spiel gg. H96 wieder in die Binsen geht wir der neue Manager glaich mal den Trainer feuern dürfen.
 

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