Ernst Tanner: Wer spart, macht sich nicht beliebt
Geschrieben von: Wolfgang Brück   
Samstag, den 04. Februar 2012 um 08:42 Uhr

Tanner-030212-1Der Manager weist massive Kritik zurück: Wir haben Hoffenheim auf einen sehr guten Weg gebracht

 

 

 

„Nicht wenige Experten wundern sich, dass wir trotz des Kurs- wechsels so gut dastehen“, sagt Ernst Tanner (45). Doch offenbar gilt einmal mehr der Prophet im eigenen Lande nichts. Der Geschäftsführer und Mana- ger von 1899 Hoffenheim steht derzeit mächtig in der Kritik. Tanner hat er- hebliche Einsparungen vorgenommen und dabei das Gesicht der Mannschaft grundlegend geändert. Freunde macht man sich damit nicht. Doch der bienen- fleißige Oberbayer, der als einer der bes- ten Talentspäher Deutschlands gilt, ist überzeugt davon, dass er sich nichts vor- zuwerfen hat. Im RNZ-Interview weist er die Anschuldigungen zurück. Vielmehr meint er: „Die TSG 1899 Hoffenheim ist auf einem sehr guten Weg.“

Herr Tanner, Srdjan Lakic schaut ein bisschen blass um die Nase aus, so wie er in Ihrem Audi A 6 sitzt. Ihr Fahrstil gilt als rasant.

Das hat der Trainer mal so behauptet. Es musste ja aber auch alles sehr schnell gehen am Dienstag. Doch ehrlich, ich fahre zwar sportlich, aber im Rahmen des Erlaubten. Bei unserem Neuzugang rührt die Blässe wahrscheinlich daher, dass die letzten Stunden sehr aufregend waren.  

Dafür haben Sie selbst eine gesunde Gesichtsfarbe. Trotz der negativen Presse in der letzten Zeit: Tanner nur eine Randfigur, Tanner ohne Konzept bei den Neuzugängen, Tanner kommt mit den Spielern nicht aus, Tanner verlässt den Sparkurs…

Das prallt an mir ab. Weil es schlicht und einfach nicht stimmt und ich ein gutes Gewissen haben kann.  

Aber beim Wechsel von Lakic spielte Dietmar Hopp die Schlüsselrolle und nicht Sie als Manager.

Wir sind froh, dass Dietmar Hopp über derart gute Kontakte in die höchsten Kreise verfügt und den Transfer in Form einer Leihe noch möglich gemacht hat. Wie schwierig es war mit Wolfsburg, zeigt die Tatsache, dass kurz zuvor auch der VfB Stuttgart gescheitert ist – ohne dass jemand Fredi Bobic einen Vorwurf gemacht hat.  

Wie ist Ihr Verhältnis zu den Spielern?

Gut. Ich habe ja die meisten geholt. Natürlich muss man als Geschäftsführer und Manager auch Entscheidungen im Sinne des Vereins treffen, macht sich gerade mit Sparmaßnahmen nicht beliebt.  

Es heißt, Sie würden den Sparkurs gefährden.

Wir haben uns bei den Gehältern innerhalb eines Jahres in einer atemberaubenden  Geschwindigkeit in Richtung der Marke von 30 Millionen Euro entwickelt, schreiben schon jetzt im operativen Geschäft schwarze Zahlen. Dabei haben wir uns sportlich nicht wesentlich verschlechtert. Ich denke, damit können wir zufrieden sein.  

30 Millionen sind Bundesliga-Mittelmaß?

Ja, irgendwas in der Mitte.  Aber man muss bedenken, dass ein derartiger Kurswechsel  mit Risiken verbunden ist. Uns haben mit Carlos Eduardo, Luiz Gustavo, Demba Ba, Chinedu Obasi und Vedad Ibisevic die besten Spieler verlassen. Doch es gab keine andere Möglichkeit, um den Verein wirtschaftlich unabhängig von Dietmar Hopp zu machen. Nicht wenige Experten wundern sich, dass wir es bisher so gut hingekriegt haben.  

Was sagen Sie zum Vorwurf, Sie verpflichten die falschen Spieler. Ein Beispiel: Sandro Wieser wurde als Bankdrücker bezeichnet.

Der Junge ist gestern 19 Jahre alt geworden. Er hat mit Liechtenstein herausragende Länderspiele gemacht, nicht gegen San Marino, sondern gegen Spanien und Schottland.  

Schauen wir mal auf Ihre Neuzugänge: Sebastian Rudy, Peniel Mlapa, Gylfi Sigurdsson aus der vergangenen Saison?

Rudy war in Stuttgart kein Stammspieler, hat sich bei uns in die Nähe der Nationalmannschaft entwickelt. Sigurdsson hat letzte Runde die meisten Tore erzielt. Wir hoffen, dass er in Swansea wieder Tritt fasst und mit Selbstvertrauen zurückkehrt. Mlapa hatte eine herausragende Vorrunde, danach Formschwankungen. Aber das muss man einem 20-Jährigen zugestehen.  

Vor einem Jahr kamen Ryan Babel, Edson Braafheid und Roberto Firmino. Vor allem Babel steht in der Kritik.

Wir standen unter Druck, nachdem Demba Ba uns verlassen hat. Doch Ryan wird jetzt wieder besser zur Geltung kommen, wenn wir im Angriff rotieren. Braafheid war ablösefrei, ist Stammspieler. Firmino hat sich schneller entwickelt als gedacht, hat seinen Wert bereits gesteigert.  

Und was ist mit Fabian Johnson, Daniel Williams, Sven Schipplock und Knowledge Musona, die im Sommer kamen?  

Johnson ist ein Glücksgriff, Williams, der für nur 200.000 Euro kam, vielseitig einsetzbar und außerdem ein toller Typ. Musona zählt zu unseren besten Fußballern, wenn er robuster wird, werden wir viel Freude haben. Schipplock hat Pech mit Verletzungen. Ich schreibe ihn sicher nicht ab. Außerdem darf man Jannik Vestergaard nicht vergessen, und Dominik Kaiser, Kevin Conrad, Joseph Claude Gyau, Tobias Strobl, Niklas Süler, der mit 16 schon bei den Profis trainiert. Zur neuen Saison kommen mit Kevin Volland und Michael Gregoritsch zwei weitere junge, talentierte Spieler. Wir haben den Nachwuchsbereich neu strukturiert, die Scouting-Abteilung neu aufgestellt und sind gerade dabei, im Verein viele Dinge zu ändern.  

Heute kommt der FC Augsburg nach Sinsheim, am Mittwochabend macht Hoffenheim gegen den Zweitligisten Greuther Fürth den fünften Anlauf, das Pokal-Halbfinale zu erreichen. Wie wichtig sind die beiden Spiele?  

Mit einem Sieg gegen Augsburg würden wir den siebten Platz im Auge behalten. Wenn die zwei Pokal-Finalisten in der Liga unter den ersten Sechs stehen, dann darf man als Siebter die Qualifikation zur Europa League spielen. Und wenn wir das Pokal-Halbfinale erreichen, ist dies der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte. Ich glaube, sagen zu können: Hoffenheim  ist auf einem sehr guten Weg.

 

Kommentare 

 
+2 #9 Sigi 2012-02-05 15:42
Herr Tanner, wie wäre es, Ihr Gehalt einzusparen?!
 
 
+1 #8 Jochen 2012-02-05 13:47
Viele hier haben Ahnung und sehen den Tanner als Totengräber der TSG. Ich sehe das genau so, so lange wie der das sagen hat, wird die 2.Liga winken, aber da kennt er sich ja besser aus, siehe 1860, die hat er auch mit dort hingeführt, wo sie heute stehen
 
 
+1 #7 Josef 2012-02-05 12:13
@ Diego, heisst du im wiklichen leben vielleicht Tanner?
 
 
+3 #6 Josef 2012-02-04 22:17
Dass spieler von der tsg wegwollen, muss einen grund haben.
dass sie den weggang sogar provozieren, ist bei den tollen finanziellen verträgen, kaum zu glauben. Warum will der Babel nicht gehen? Das wäre super für die duchzuführenden Sparmassnahmen.
Ich denke oft an Tanner und seine Verpflichtungen von Leistungsträger n, welche den Teamgeist der TSG steigern. Mir ist ein bodenständiger Arbeiter auf dem Platz lieber, als ein launischer Künstler.
 
 
+7 #5 Ernie 2012-02-04 22:09
Wer spart macht sich unbeliebt. Da hat er recht. Wenn man einen auf kompetent macht, aber den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, macht man sich bestimmt auch nicht soderlich beliebt. Für mich ist Tanner der Totengräber der TSG. Ich bin davon überzeugt, dass wir noch alle den Tag verfluchen werden an dem der Jugendkoordinat or in Amt Würden kam.
 
 
+6 #4 Sigi 2012-02-04 21:03
Richtig Herr Tanner, Sie sind auch auf einem guten Weg die TSG kaputt zu machen!
 
 
+13 #3 Ein Treuer Fan 2012-02-04 12:43
Von was träumt der Tanner denn?
Der muß mal seine Einkäufe anschauen.
Ohne den Herrn Hopp währe nicht mal der Lakic gekommen.
 
 
-1 #2 Diego 2012-02-04 11:33
Sehr gut! Macht weiter so, in und um den Verein, nur so kommen wir auf einen guten Weg. Es ist auch meine Meinung, dass derjenige, der Entscheidungen treffen muss die weh tun, sich eben nicht besonders beliebt macht, aber ein Profi muss und kann damit leben. Geld aus dem Fenster werfen kann jeder, dafür brauchts keine besonderen Fähigkeiten! Fehleinkäufe? Wo sollen die sein? Musona wird noch ein richtiger Kracher,100%! Schippe war ablösefrei, lassen wir ihn mal richtig gesund werden, Babel wird sich noch steigern! Johnson würde ich eher als "Sensation" bewerten! Auch bei Willams stimmt das Preis/Leistungsverhäl tnis zu 100%!

MfG
 
 
+9 #1 Johannes 2012-02-04 10:05
Wahrscheinlich habe ich Herrn Tanner auch schon unrecht getan, aber vielleicht sollte man Entscheidungen auch anders nach außen kommunizieren. Wie z.B. die sinkende Zuschauerzahl, "hat auch was gutes, das waren bestimmt die wo gepfiffen haben".
Wenn ich die Finanzen auf gesunde Beine stellen will, sollte ich auch ein Interesse an einem ausverkauften Stadion haben und nicht alle Zuschauer, außer dem Stehblock, beschimpfen und in Generalverdacht nehemen, nur weil ein paar gepfiffen haben.
Außerdem hatten wir in der letzten Winterpause auch sehr gute Möglichkeiten im Pokal, welche leichtfertig durch das Wechseltheater verspielt wurden.
Dieses Jahr haben wir im Pokal, wieder gute Chancen und es bestand die Gefahr, diese wieder zu verspielen.
 

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