Die Falschen im Bus
Geschrieben von: Achim Wittich   
Montag, den 29. Oktober 2012 um 20:05 Uhr

Bus-030812-1Ein Kommentar der "Rhein-Neckar-Zeitung"

 

HD-EL-1899. Das Kennzeichen des neuen Hoffenheimer Mannschaftsbusses soll für den Aufbruch in Richtung Europa League stehen. Doch Fahrer Matthias Bauer hatte am frühen Samstagabend auf der Heimreise von der Mainzer Coface Arena irgendwie die falschen Gesichter an Bord. Denn während die muntere Fastnachtscombo von Trainer Thomas Tuchel kurz vor Beginn der fünften Jahreszeit auf Rang sechs international platziert ist und fröhlich Helau ruft, hat der Kater im Kraichgau schon mal eingesetzt. Platz 14!

Steuert Bauer seinen edlen Neoplan Starliner L statt quer durch Europa bald nur quer durch Deutschlands Zweitliga-Spielorte, gar nur kurz rüber nach Sandhausen? So richtig kapiert hat den Ernst der Lage beim Bundesligisten offenbar noch keiner. „Du gewinnst zwei- oder dreimal, dann stehst Du wieder oben“, meinte doch glatt Tim Wiese. Eine gefährliche Einschätzung. Irgendwie aber typisch fürs Denken in der Wohlfühloase rund um den DietmarHopp-Sportpark. Die bestens betreute und versorgte Ansammlung von Ich-AG’s fühlt sich zu Höherem berufen. Mehr laufen, zwicken und beißen tun aber andere.

Vorgegeben hat den unnötigen Kurswechsel indes Babbel selbst. Das war ein Eigentor des einstigen Verteidigers, der jetzt den eigenen Laden nicht dicht bekommt.

Scheitert er frühzeitig, wäre bei 1899 nach Professor Rangnick, dem unglücklichen Pezzaiuoli („Salihovicic“) und Kumpel-Typ Stanislawski schon der vierte Trainer in kurzer Zeit verschlissen. In Meenz dagegen kann Klopp-Nachfolger Thomas Tuchel seit über drei Jahren in Ruhe arbeiten. An seiner Seite stehen vor allem Präsident Harald Strutz (seit 1988) und Manager Christian Heidel (seit 2006) für Kontinuität. In Hoffe wechseln Sportdirektoren, Pressechefs oder Mitarbeiter der mittleren Geschäftsebene öfters mal...

Die Fans jedenfalls haben davon genug. In der Rhein-Neckar-Arena werden die Lücken auf den Tribünen bei jedem Heimspiel größer. Dauergäste bleiben weg oder verscherbeln ihre Tickets im Freundeskreis. Auf den Sportplätzen der unteren Ligen soll sich an den Wochenenden bereits vermehrt Schadenfreude gezeigt haben, als die Kunde der nächsten Hoffenheimer Pleite die Runde machte. Das ist einfach nur traurig. Denn eigentlich sollten alle in einem „Bus“ sitzen – und sich darüber freuen, Bundesliga-Fußball gleich um die Ecke genießen können.

Ach so: Am Samstag machen die Schalker die Bude in Sinsheim mal wieder richtig voll. Eine vorzügliche Gelegenheit für Wiese und Co verspielten Kredit zurückzuerobern. Denn schließlich muss man ja nur zwei- oder dreimal gewinnen ....

 

Kommentare 

 
+1 #8 HD 2012-11-02 20:06
@ 4
Richtig! Dass hatte ich noch gar nicht wahr genommen - nach der längsten Vorbereitungsph ase und so vielen neuen ach so erfahrenen Spielern, von de, auch einer sofort zum Kapitän gemacht wurde, tönte man was von EL (was mich nicht interessierte) und nun heißt es, dass es klar sei, dass wir gegen den Abstieg spielen müssen, bei so einer neuen Mannschaft...

Hochmut kommt vor dem Fall!
 
 
-3 #7 Gerd 2012-10-30 17:52
Wenigstens stimmt die Stimmung wenn Schalke kommt. Lotto King Karl singt nicht umsonst: ...Wenn du auf Schalke kommst, ist das für uns 'nen Auswärtssieg...
Wahrscheinlich wird auf der Gegentribüne, dwer Nordkurve und den Business seats wieder ehrfürtiges Schweigen herrschen.

Die Mannschaft wird auf jeden Fall eine Reaktion zeigen und vielleicht ein Unentschieden hinbekommen. Normalerweise wird in Hoffenheim bei soetwas geäußert:" Die Mannschaft hat eine Reaktion gezeigt...bla bla bla" und beim nächsten Mal legen wir uns wieder hin weil wir beim letzten Mal eine Reaktion gezeigt haben. Ach ist das erbärmlich.
 
 
+4 #6 HaJo 2012-10-30 16:02
Auszug aus dem Schlusssatz: "Am Samstag machen die Schalker die Bude in Sinsheim mal wieder richtig voll."

Hoffentlich ist das kein falsches Omen!!!
 
 
+8 #5 Thomas 2012-10-30 15:25
Wen interessiert eigentlich für was das "EL" auf dem Bus-Nummernschild steht? KEINEN! Auch wenn wir nach dem Heimspiel gegen S04 auf dem 16. Platz stehen, der Abstieg (wie auch die Meisterschaft) sind erst nach dem 34. Spieltag entschieden. Einfach nur toll, wie die derzeitige Situation (man könnte auch Krise sagen) bei der TSG schon zum beschlossenen Abstieg gemacht wird, aber gleichzeitig Sandhausen weiter in der 2. Liga bleibt (obwohl der SVS auf dem 16. Platz liegt) - diese Logik (oder ist es einfach nur Sympathie und Antipathie?) muss man erst verstehen. Bei den Fans muss man doch etwas differentierter urteilen: die Fans werden den Verein/die Mannschaft immer begleiten, aber die Fussball-Interessierten, die zur TSG kamen, als alles noch Friede, Freude, Eierkuchen war, sind die Ersten, die wegbleiben und es gerade auch tun. Genau diese Gruppe wird aber wieder ins Stadion kommen, wenn wieder mehr Unterhaltung (und Erfolg und Spass) geboten wird.
 
 
-2 #4 S. 2012-10-30 11:22
Als ich erfuhr, dass das Kennzeichen "EL" in Richtung Europa League stehen soll, war ich bereits gleich empört. Das muss ich doch sagen! Wer wie Babbel große Klappe hat, geht es meistens schief, da er doch genau wusste, dass die Hoffenheimer doch noch nicht fit, stabil, überragender spielen. Viel zu unreif. Dauernd mal so, mal so. Erst wenn die TSG regelmäßig überragend wie Hannover spielen würde, dann kann sie in die EL kommen... Babbel hat leider nicht richtig überlegt...
 
 
+4 #3 TSG TUT WEH 2012-10-30 10:15
HD EL 1899 könnte auch bedeuten :

HD Einfach Lustlos 1899
 
 
+17 #2 Frank 2012-10-30 00:09
Ja . . . Schließe mich dem an. Humor kann in der Situation nichts schaden :-)
 
 
+51 #1 wolfa 2012-10-29 22:57
Ich werde wieder hingehen, gegen Schalke alles geben in der sogenannten "Bierkurve". Aber ich erwarte auch eine Reaktion der Mannschaft. Es ist zu feige sich immer hinter allen möglichen Ausreden zu verstecken. Jeder dieser "Sensiebelchen" verdient das hundertfache eines Facharbeiters. Reist Euch gefälligst den Arsch auf. Ich muss es auch jeden Tag tun. Für sehr, sehr viel weniger pro Monat.
Wolfa
 

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