Von Gewinnern und Verlierern
Geschrieben von: Achim Wittich   
Freitag, den 28. September 2012 um 07:27 Uhr

Salihovic-190612-1Nach Hoffenheims Coup in Stuttgart soll die englische Woche gegen Augsburg gekrönt werden – Hopp kritisiert die Trainer

 

Gestern, nur wenige Stunden nach Hoffenheims wunderbarem 3:0 (1:0)-Sieg im Derby beim VfB Stuttgart, erschien in der Zeit ein Interview mit Dietmar Hopp. „Von dem, was hier in den vergangenen zwei Jahren gelaufen ist, bin auch ich enttäuscht. Keiner der Trainer hat es geschafft, eine Durchlässigkeit in Richtung Profikader zu schaffen, ein junges Talent so weit zu fördern, dass es in der Bundesliga gut bestehen kann“, sagte der Gesellschafter und Beiratsvorsitzende im angesehenen Wochenmagazin.

Ob er sich denn diesen Schuh auch anziehe?, wollte am Nachmittag der Kollege auf der Pressekonferenz vorm Heimspiel gegen Augsburg (Samstag, 15.30 Uhr) wissen. Babbel verneinte, warnte vielmehr vor blindem „Aktionismus“ und betonte, bereits fünf Spiele der U23 höchstpersönlich beobachtet zu haben. Die Verzahnung mit Coach Frank Kramer vom Regionalliga-Team sei eng, man schließe sich wöchentlich kurz und er sei davon überzeugt, dass zwei bis drei Spieler den Sprung schaffen könnten. Keine Zeit also für Griesgrämerei.

Verständlich, denn nach ganz bitteren Tagen zu Saisonbeginn haben die letzten zwei Erfolge gegen Hannover und bei den allerdings desolaten Schwaben erst mal für Beruhigung rund um den Dietmar-Hopp-Sportpark in Zuzenhausen gesorgt. Der neue Manager Andreas Müller jedenfalls konnte nach seiner ersten Arbeitswoche im Kraichgau und vorm Treffen mit den Fans am Abend im Spaß auf seine „magischen Hände“ verweisen.

Doch der Ex-Schalker kennt das schnelllebige Fußball-Geschäft viel zu gut, um nicht ausdrücklich „mehr Konstanz“ einzufordern. Zu instabil ist derzeit noch das vorm Rundenbeginn hochgelobte Ensemble von Babbel. Müller am späten Mittwochabend blumig: „Das ist jetzt ein ganz zartes Pflänzchen“ – was nach Babbels fester Überzeugung rasch wachsen und gedeihen wird. „Der Weg ist richtig, den wir gehen.“ Der frisch gestärkte Münchner hat wohl gerade noch rechtzeitig die einzelnen Puzzlestücke passend zusammengesetzt.

Gewinner sind derzeit ohne Zweifel der in der Mercedes-Benz Arena überragende Takashi Usami oder Madrids Nachwuchsstar Joselu. Sie trafen genauso wie erneut Verteidiger Fabian Johnson. Auch die Bilanz von Wiese-Vertreter Koen Casteels mit zwei Siegen in zwei Spielen „ist so schlecht nicht“ (Babbel). Doch wo sich im Mannschaftssport die einen in den Vordergrund spielen, werden andere ins Abseits gestellt. Sejad Salihovic und TobiasWeis, beide mit einem Vertrag bis 2016 ausgestattet, sowie Eren Derdiyok gehören mit Sicherheit dazu.

„Sali“ traf am Sonntag nach seiner Einwechslung gegen die Niedersachsen – drei Tage später saß der Ballkünstler aus Bosnien-Herzegowina wieder 82 lange Minuten draußen. Erneut erst gar nicht im 18er-Aufgebot stand Weis, der gegen Hannover 96 von Babbel aus sportlichen Gründen aussortiert wurde. Und Derdiyok ist sogar ein richtiges Sorgenkind. Babbel ist augenscheinlich immer noch nicht mit dem Fitnesszustand des Schweizer Nationalspielers zufrieden. „Er ist noch nicht da, wo ich mit ihm hin will und wo ich ihn sehe.“ Wie die RNZ schon vor einigen Wochen erfuhr, sollen die Laktatwerte des Stürmers zuletzt miserabel gewesen sein. Jetzt büßt der Ex- Leverkusener für seine Schluderei – auf der harten Ersatzbank.

Vorm vermeintlichen Selbstläufer gegen den Letzten aus Augsburg hat Babbel ein paar kleine Sorgen, denn Boris Vukcevic (Muskelprobleme), Usami (Schlag aufs Schienbeinköpfchen) und Daniel Williams (Prellung am großen Zeh) fehlen möglicherweise. Alle drei konnten am Donnerstag nicht trainieren. Im Tor steht weiter Casteels. Tim Wiese sei sogar fürs Oktoberfestspiel bei den Bayern fraglich, verriet Hoffenheims Coach. Ein Schelm, wer Wiese wünscht, sein Comeback möge noch nicht in München anstehen. Zuletzt gab’s dort ein 1:7...

Doch zuvor soll die englische Woche gegen den FCA gekrönt werden. „Für mich das schwerste Spiel von den Dreien“, warnt Babbel. Die Fans sind noch zurückhaltend. Stand gestern waren erst 21 000 Karten weg. Es bleibt spannend. Wohin führt der Weg von „Hoffe“?

 

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